Spannungsfeld: Rover*innen als Leiter*innen: Unterschied zwischen den Versionen

„Rover*innen haben ein Recht auf ihr Rover-Sein – vier Jahre Leben in der Roverstufe sollten nicht unbedacht verschenkt werden.“ [1]

In der Abfolge der Altersstufen folgt auf die Roverzeit die Möglichkeit zum Einstieg in die Leiterrunde.

Baden Powell schreibt dazu:

„Rover sollten die Hauptquelle für unseren Bedarf an Leitern sein.“ [2]

Das bedeutet aber auch, dass Rover*innen eine Roverzeit haben. Sie haben das Recht darauf [Link nach weiter unten]. Diese spannende Zeit in der Entwicklung der Jugendlichen soll respektiert werden, Erlebnisse ermöglicht werden. Auch Leitermangel darf nicht dazu führen, dass Rover*innen vorzeitig zu Leitern*innen „gemacht“ werden. Von Freiwilligkeit kann zudem keine Rede sein, wenn sie vermittelt bekommen, dass ohne diesen Schritt Gruppen vielleicht aufgelöst werden müssen.

Betrachtet man alle hier aufgeführten Quellen wird deutlich, dass die Essenz vieler Jahrzehnte Erfahrung im Verband und der Roverstufe klar besagen, dass die potenziell ereignisreiche Roverzeit kurz ist, einen wichtigen Teil der Persönlichkeitsentwicklung darstellt und nicht aus rein organisatorischen Gründen aufgegeben werden sollte.

Rover*innen sind keine Leiter*innen.


Abgrenzung: Rover werden Leiter vs. Rover als Leiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinzipiell gibt es drei Varianten das Rover-Sein und Leiter-Sein zu verbinden. Da gibt es ganz klassisch Rover*innen, die 20 Jahre alt sind und mit Ende dieses Lebensjahres auch ihre Roverzeit abschließen [1]. Dann gibt es jene, die volljährig sind, vom Alter noch Rover sein könnten und sich entscheiden in die Leiterrunde zu wechseln. Diese beiden Gruppen sind somit Rover, die Leiter werden und die Roverzeit hinter sich lassen. Eine andere Gruppe sind Rover, die Rover bleiben und parallel dazu als Leiter auftreten. Hierfür gibt es in Stämmen viele Bezeichnungen: Schnupperleiter*in, Leiter*in auf Probe, Leiter-Praktikant*in usw. . . .

Rover*innen werden Leiter*innen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rover*innen, die am Ende der regulären Roverzeit in die Leiterrunde wechseln, werden hier nicht weiter ausgeführt, da es keine „Rover*innen als Leiter*innen“ sind. Aber eins noch: Daumen hoch und Glückwunsch zu eurer Entscheidung!

Der Fall von Rover*innen, die 18 Jahre alt werden und (unmittelbar) Leiter*in werden, ist zweifelsfrei mit der DPSG Ordnung vereinbar. Hier ist der zentrale Punkt wie diese Entscheidung zu Stande gekommen ist. Jede Leiterrunde wird sagen können, dass dies freiwillig geschehen ist. Und es gibt natürlich Rover*innen, die mit 18 sofort Leiter*in werden möchten. Ihnen sollte man den Weg nicht versperren, sofern nichts dagegenspricht. Und wenn etwas dagegenspricht, obliegt es der Leiterrunde und dem Stammesvorstand sie bestmöglich auf das Leiter-Sein vorzubereiten. Sollten absolute Kriterien vorliegen, die dies ausschließen, muss entsprechen reagiert werden.

Es gibt aber auch den Fall, dass Rover*innen streng genommen aus nicht gänzlich freien Stücken Leiter*innen werden. Typischerweise bei „akutem Leitermangel“, wie bereits im Rover Leitungshandbuch von 2002 beschrieben. Hierbei hat der Stamm ein Problem das Aufrechthalten der Gruppen bzw. Gruppenstunden zu gewährleisten, weil zu wenig Leiter*innen aktiv sind. Dieser Fall ähnelt sehr Rover*innen als Leiter*innen.

Rover*innen als Leiter*innen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dieser Gruppe finden sich alle Rover*innen, die sich noch als Teil der Roverrunde verstehen und gleichzeitig als Leiter*in auftreten. Beides ist eigentlich nicht möglich. Entweder Rover oder Leiter. Dieser Grundsatz gilt immer. Der Verband nimmt dazu ganz klar Stellung:
„Sie [Rover*innen] scheiden aus der Roverrunde aus, sobald sie eine Leitungsaufgabe übernehmen.“ [3]
Ist sich die Roverin oder der Rover dessen bewusst, sollte eine klare Entscheidung getroffen werden, da hiermit die Roverzeit beendet würde bzw. beendet werden sollte. Sie würde per DPSG Ordnung beendet und sie sollte beendet werden, um eine klare Linie zu verfolgen. Dies hilft es besonders jungen Leiter*innen sich mit der neuen Herausforderung auseinanderzusetzen und sich zurecht zu finden.

Rover*innen, die noch minderjährig sind, dürfen schlicht nicht Leiter*innen sein. Und das hat auch gute Gründe. Denn wer das Leiter-Sein ernstnimmt, weiß um die weitreichende Verantwortung. Nicht nur juristisch, sondern auch moralisch.

Es ist zwar irgendwie zulässige, aber der kritischste Fall: Rover*innen, die noch Teil der Roverrunde bleiben möchten, aber bereits Leitungsaufgaben übernehmen. Wie es dazu kommt, ist sicherlich bekannt. Leitermangel, der zu „freiwilliger“ Übernahme von Leitungsaufgaben seitens der Rover*innen führt. Mit Leitungsaufgaben ist ausdrücklich nicht gemeint, dass Rover*innen hier und da die Leiterrunde unterstützen, sondern dass sie als Leiter auftreten – auch im Team mit anderen Leitern*innen. Es ist weder fair, noch kann von Freiwilligkeit gesprochen werden, wenn im Raum steht, dass eine Gruppe nur dann fortbestehen kann, wenn der/die Rover*in Leitungsaufgaben übernimmt.

Nicht umsonst wurde in den Stufenschwerpunkten [Link] formuliert, dass Rover*innen Verantwortung übernehmen und die wichtigen Dinge tun. Jedoch wäre es eine bewusste Fehlinterpretation es so auszulegen, dass man ihnen den Fortbestand einer Gruppe oder des Stammes auf bürgt. Sie sind sicherlich ab einem gewissen Alter und Reife dazu in der Lage, jedoch werden sie ihrer Roverzeit beraubt.

Bereits in der DPSG Ordnung von 2007 wird klar ausformuliert, dass die Roverzeit ein Recht ist und nicht leichtfertig mit ihr umgegangen werden sollte [Link zum Absatz]. Dieses Recht gilt es seitens der Leiterrunde zu respektieren und seitens der Roverleiter*innen aktiv zu schützen. Dies bedeutet auch dem/der Rover*in fair und objektiv mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Leitermangel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Stämme sind im Laufe der Zeit mit Leitermangel konfrontiert. Gründe hierfür sind vielseitig. Oft sind es wechselnde Lebensumstände mehrerer Mitglieder der Leiterrunde. Natürlich, außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Jedoch ist das „Abwerben“ von Rovern*innen hin zur Leiterrunde keine Maßnahme oder Notlösung. Es ist unfair.

Es ist Aufgabe der Leiterrunde diese Situation anzupacken – und es ist zweifellos eine schwere Herausforderung. Diese Verantwortung hierbei auf Rover*innen abzuschieben ist nicht der richtige Weg. Im Rover Leitungshandbuch von 2002 steht dazu folgendes:

„Nun kann man der Leiterrunde nicht unterstellen, sie wolle die Roverarbeit mit Abwerbung mutwillig kaputt machen. In der Regel ergibt sich so etwas durch akuten Leitermangel. Dass dies aber nicht der goldene Weg ist, muss einigen Vorständen erst klar gemacht werden. Natürlich ist dieses Vorgehen sehr bequem: Den Rovern muss nicht erklärt werden, wie die Abläufe in der DPSG stattfinden; die Vokabeln sind bekannt; praktische Gruppenarbeit kennen sie schon von der anderen Seite.“ [RLHB, Stand 2002, Abwerbung aus Not, S. 1214]

Stattdessen sei Stämmen, die unter Leitermangel leiden, empfohlen den Mut zu haben sich Hilfe zu holen. Das ist kein Eingeständnis gescheitert zu sein, sondern ein guter und wichtiger Schritt, um eine gute Leitung der Gruppen zu gewährleisten. Je früher dies geschieht, desto besser. Hierzu mehr unter „Lösungsansätze“ [Link] Lösungsansätze.

Selbstverständnis der Roverstufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkte der Roverstufe 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Bundeskonferenz der Roverstufe vom 23. bis 25.09.2016 in Essen wird die Stufenpädagogik und Lebenswelt der Rover beleuchtet. Hieraus entstehen sechs Schwerpunkte [link], von denen mindestens zwei direkt bzw. indirekt auf „Rover*innen als Leiter*innen“ verweisen.

Gleich zu Beginn heißt es „Rover übernehmen Verantwortung – Rover tun die wichtigen Dinge“. Dies lässt sich auf den ersten Blick problemlos mit „Rover*innen als Leiter“ vereinbaren. Betrachtet man dies jedoch differenzierter, eröffnet sich ein breiter Fächer von Bereichen, für die Verantwortung übernommen werden könnte. Grundsätzlich ist zwischen Verantwortung für sich selbst, für andere und für übergeordnete Themen zu unterscheiden. Letzteres sind vornehmlich Themen, die einen direkt oder indirekt betreffen, man jedoch selbst nur ein Teil der Betroffenen insgesamt ist.

[Vielleicht Link zu „Abgrenzung zu anderen Stufen“ und „Struktur der Roverstufe“? ]

Es ist unstrittig, dass Rover*innen in der Lage sein können für Andere Verantwortung zu übernehmen. Ebenso können sie Verantwortung für „die großen Themen“ übernehmen – dies ist sogar wünschenswert. [Link zu Politik usw.] Dem voran sollte aber die Verantwortung für sich selbst stehen. Sie bildet das Fundament für einen gesunden Umgang mit sich selbst und gibt die Stärke andere hierbei zu unterstützen oder eben auch Themen wie politische Mitbestimmung, Umwelt-Engagement, Menschenrechte u.ä. aktiv mitzugestalten.

Dieser Gedanke der schrittweisen Übernahme von Verantwortung findet sich auch im Schwerpunkt „Rover haben Leiter – Rover brauchen ein ‚Roverschutzgebiet‘ “ [Link]. Rover*innen sind junge Menschen, die eine Vielzahl von Schritten in sehr kurzer Zeit vollziehen. Rein rechtlich werden sie vom Kind zum Erwachsenen, etwas präziser gefasst vom Jugendlichen zum jungen Volljährigen. Mit Eintritt in die Roverstufe im Alter von 16 Jahren (seit 2018 auch mit 15 Jahren möglich) eröffnen sich ihnen neue Rechte und Pflichten [Link]. Sie dürfen den Führerschein [Link] machen, haften zunehmend bis ganz für ihr Handeln [Link]. Es stehen Entscheidungen an, die maßgebliche Weichen für ihr Leben stellen, wie Ausbildung, Studium, Job und oftmals die erste eigenen Wohnung. [Link zu Rover*innen haben Leiter*innen]

Diese spannende Zeit gilt es zu genießen, sich darauf einzulassen und auch Entscheidungen und Konsequenzen weitreichender abzuwägen. Grund genug den Rovern*innen ein „Schutzgebiet“ zu ermöglichen, in dem sie sich entfalten und wachsen können, ohne bereits selbst einen Verantwortungsraum für Andere aufbauen zu müssen.

Rovermut 2002[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Buch Rovermut werden im Kapitel „berover“ sehr klare und ehrliche Worte gefunden. Es werden einerseits die Rover*innen angesprochen, andererseits auch deren Leiter*innen. Ein offenkundig wichtiger Appell an die Rover*innen erfolgt direkt vorneweg:

Mach dich stark für deine Runde Setze dich ein für ihren Fortbestand Lass dich nicht zu früh zum Funktionär machen

[Rovermut, S. 78, „Rover, bleibt bei eurer Runde!“]

Unmittelbar daneben finden sich die „10 Argumente, Anwalt für die Roverstufe zu sein“ [S. 78 ff.]. Ein detaillierter Blick in die Lektüre lohnt sich in jedem Fall. Gleich zu Beginn heißt es:

„Die ‚Rover-werden-Leiter-Praxis‘ schadet der Roverstufe, den jugendlichen Leitern, den betroffenen Runden, der Leiterrunde, dem Stamm und auch dem gesamten Verband. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht bei allen diesen Argumenten nicht darum, den Rovern zu sagen, dass wir ihnen das Leiten (noch) nicht zutrauen würden oder ihr Engagement bremsen wollen würden. Das stimmt auch überhaupt nicht. Wir wissen aber, dass Roverinnen und Rover sehr empfänglich für die Leiterfrage sind […]. Rover sollen ihre Roverzeit genießen können, Spaß haben, ihre Gruppe erleben können, sich austoben können. Dazu haben sie nur vier Jahre Zeit – diese kurze Zeit gilt es zu nutzen!“

Rover Leitungshandbuch 2002[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rover Leitungshandbuch in der Fassung von 2002 ist dem bereits ein eigenes Kapitel gewidmet und es wird in dessen Überschrift auch sehr klar Stellung bezogen: „Rover sind keine Leiter“ (RLHB, Stand 2002, S. 121). Das Kapitel eröffnet mit dem Satz „Ein altes, ein leidiges Thema: Sollen oder dürfen Roverinnen und Rover Leiterinnen bzw. Leiter werden?“ (RLHB, Stand 2002, S. 121)

Offenkundig hat sich die Stufenleitung entschlossen dieses wichtige Thema auch aus Sicht der Roverstufe tiefer zu beleuchten und sich eindeutig zu positionieren. Ebenso wird deutlich, dass die Fragestellung nicht neu ist und die DPSG insgesamt schon lange beschäftigt.

Rover Leitungshandbuch 1996[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer das Rover Leitungshandbuch von 1996 durchblättert wird feststellen, dass überhaupt nicht auf das Thema von Rovern*innen als Leiter eingegangen wird. Der Abschnitt „Einmal Rover – immer Rover?“ (Rover Leitungshandbuch, Stand September 1996, S. 39) beleuchtet in erster Linie den „regulären“ Austritt aus der Roverstufe. Dies kann einerseits der Eintritt in die Leiterrunde sein oder auch das (vorläufige) Ende der Pfadfinderzeit.

Verbandlicher Standpunkt zur Roverstufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DPSG ist ein lebendiger Verband, der sich auf den Wandel der Lebenswelten einzelner Altersstufen über die Zeit einlässt und sich weiterentwickelt. Dies zeigt sich ganz operativ im Selbstverständnis der einzelnen Mitglieder, und wird durch sie in und über die verbandlichen Ebenen weitergetragen [Link zur Struktur der DPSG]. So kann im eigenen Stamm, im Bezirk, der Diözese und auf Bundesebene immer wieder beobachtet werden wie Veränderungen per se geschehen oder auch gezielt umgesetzt werden.

Solche gezielten Veränderungen bzw. Entwicklungen werden dann institutionalisiert – oder einfach ausgedrückt – sie werden zu Papier gebracht. Und selbst das ändert sich über die Zeit, denn die Veröffentlichungsmedien gehen auch (oft) mit der Zeit.

[möglicherweise Statistik der Zahlen zu Altersstufen der DPSG über die Zeit beim Mitgliederservice anfragen und schauen, ob sich etwas zu „Stufen im Wandel der Zeit“ sagen lässt. Insbesondere das Zahlenverhältnis Leiter zu Grüpplingen]

DPSG Ordnung 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in der Fassung von 2019 wird in der DPSG Ordnung klar gesagt, dass Rover*innen nicht zeitgleich Leiter*innen sein können. Hiermit ist nicht ihre grundsätzliche Befähigung gemeint, sondern die Tatsache, dass sie ihre Roverzeit in vollen Zügen genießen dürfen, dass dies ihr Recht ist wie bei jeder anderen Stufe auch.

„Rover*innen können im Stamm nicht gleichzeitig zur Mitgliedschaft in der Roverrunde die Leitung einer Gruppe übernehmen. Sie scheiden aus der Roverrunde aus, sobald sie eine Leitungsaufgabe übernehmen. Bei der Entscheidung, Leiter*in zu werden erhalten sie Unterstützung durch die Roverleitung und die Stammesleitung.“ (Ordnung der DPSG, Stand: September 2019, „Strukturen“)

DPSG Ordnung 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn Rover*innen sich überlegen Leiter*in zu werden, ist die dies zu begrüßen und zu unterstützen. So wird es auch ganz ausdrücklich in der DPSG Ordnung von 2007 formuliert. Es sind Jugendliche, die sich der Herausforderung stellen nicht nur für sich, sondern auch für andere Verantwortung zu übernehmen. Dabei geht es nicht um eine bedingungslose Befürwortung dieser Überlegung, sondern eine faire und objektive Betrachtung gemeinsam mit dem/der Rover*in.

„Bei der Entscheidung, selbst eine Leitungsfunktion zu übernehmen, erhalten Rover*innen Unterstützung durch die Roverleitung und die Stammesleitung. Mitglieder der Roverstufe können aber nicht gleichzeitig die Leitung einer Alter[s]stufe der DPSG übernehmen. Rover*innen, die eine Leitungsaufgabe in der DPSG übernehmen, scheiden aus der Roverrunde aus. Rover*innen haben ein Recht auf ihr Rover-Sein – vier Jahre Leben in der Roverstufe sollten nicht unbedacht verschenkt werden.“ (Ordnung der DPSG, Stand: 2007, „Strukturen der Roverstufe“, S. 51 Printversion)

DPSG Ordnung 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Ordnung von 2001, auf die sich das Rover Leitungshandbuch von 2002 bezieht, steht ganz klar, dass Rover keine Leiter sind. Oder schärfer ausgedrückt, auf die Pfadfinderstufe folgt nicht der Schritt zum/zur Leiter*in, sondern der Schritt in die Roverstufe.

„In der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg schließen sich Jugendliche und junge Erwachsene in altersgemäßer Form zusammen. Deshalb werden Pfadfinderinnen und Pfadfinder im 17. Lebensjahr Rover – und keine Leiter.“ (S. 50 DPSG Ordnung Fassung 2001)

Lösungsansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beste Lösung ist, keine Lösung zu brauchen. Eine funktionierende und ausreichend große Leiterrunde bewahrt nicht nur davor Rover*innen gewollt oder ungewollt, um ihre Roverzeit zu bringen. Auch macht die ehrenamtliche Tätigkeit mehr Spaß und bildet eine starke Säule in schwierigen Zeiten.

Getreu dem Motto „Vorsicht ist besser als Nachsicht“, kann frühzeitiges Agieren statt (zu) spätes Reagieren den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg sein. Spätestens wenn sich abzeichnet, dass es zu Leitermangel kommen könnte, sollten Maßnahmen ergriffen werden. Noch besser ist kontinuierlich daran zu arbeiten eine stabile Leitersituation im Stamm zu haben. Dazu zählt insbesondere eine funktionierende Roverrunde zu haben und die Rover*innen mit einem guten und spannenden Stufenprogramm im Stamm zu halten.

An dieser Stelle sollen nur einige Ideen und Denkanstöße gegeben werden. Leitermangel ist eine weitreichende Thematik.

Stabile Roverrunde, um Leiter-Nachwuchs zu sichern Ehemalige reaktivieren oder zumindest um Rat fragen (Leitermangel wiederholt sich oft) Quereinsteiger werben Leiter*innen in der Region finden, die aktuell (vielleicht) nicht aktiv sind Bei Bezirksleitung und/oder Diözesanleitung Unterstützung anfordern, frühzeitig! Hilfe von der Bundesebene holen: Es gibt dafür im Rahmen der Lilienpflege extra ein Programm bei denen ihr mit Workshops, Werbematerial und Erfahrung unterstützt werden könnt. [Link: https://dpsg.de/de/aktionen/lilienpflege/leiterinnen-gewinnen.html ]

  1. DPSG Ordnung, Stand 2007, "Strukturen der Roverstufe", S. 51
  2. Robert baden-Powell, Notiz an die Roverstufe, datiert 11.04.1932, unveröffentlicht
  3. DPSG Ordnung, Stand 2019, 8.4 Roverstufe, "Strukturen"
  4. Rover Leitungshandbuch, Stand 2002, "Abwerbung aus Not", S. 121
'''„Rover*innen haben ein Recht auf ihr Rover-Sein – vier Jahre Leben in der Roverstufe sollten nicht unbedacht verschenkt werden.“''' <ref>DPSG Ordnung, Stand 2007, "Strukturen der Roverstufe", S. 51</ref>



In der Abfolge der Altersstufen folgt auf die Roverzeit die Möglichkeit zum Einstieg in die Leiterrunde. 




Baden Powell schreibt dazu: <blockquote>„Rover sollten die Hauptquelle für unseren Bedarf an Leitern sein.“ <ref>Robert baden-Powell, Notiz an die Roverstufe, datiert 11.04.1932, unveröffentlicht</ref></blockquote>




Das bedeutet aber auch, dass Rover*innen eine Roverzeit haben. Sie haben das Recht darauf [Link nach weiter unten]. Diese spannende Zeit in der Entwicklung der Jugendlichen soll respektiert werden, Erlebnisse ermöglicht werden. Auch Leitermangel darf nicht dazu führen, dass Rover*innen vorzeitig zu Leitern*innen „gemacht“ werden. Von Freiwilligkeit kann zudem keine Rede sein, wenn sie vermittelt bekommen, dass ohne diesen Schritt Gruppen vielleicht aufgelöst werden müssen.


Betrachtet man alle hier aufgeführten Quellen wird deutlich, dass die Essenz vieler Jahrzehnte Erfahrung im Verband und der Roverstufe klar besagen, dass die potenziell ereignisreiche Roverzeit kurz ist, einen wichtigen Teil der Persönlichkeitsentwicklung darstellt und nicht aus rein organisatorischen Gründen aufgegeben werden sollte.


'''Rover*innen sind keine Leiter*innen.'''



<br />



==Abgrenzung: Rover werden Leiter vs. Rover als Leiter==
Prinzipiell gibt es drei Varianten das Rover-Sein und Leiter-Sein zu verbinden. Da gibt es ganz klassisch Rover*innen, die 20 Jahre alt sind und mit Ende dieses Lebensjahres auch ihre Roverzeit abschließen [https://dpsg.de/fileadmin/daten/dokumente/DPSG-Ordnung.pdf]. Dann gibt es jene, die volljährig sind, vom Alter noch Rover sein könnten und sich entscheiden in die Leiterrunde zu wechseln. Diese beiden Gruppen sind somit Rover, die Leiter werden und die Roverzeit hinter sich lassen. Eine andere Gruppe sind Rover, die Rover bleiben und parallel dazu als Leiter auftreten. Hierfür gibt es in Stämmen viele Bezeichnungen: Schnupperleiter*in, Leiter*in auf Probe, Leiter-Praktikant*in usw. . . . 


===Rover*innen werden Leiter*innen===
Rover*innen, die am Ende der regulären Roverzeit in die Leiterrunde wechseln, werden hier nicht weiter ausgeführt, da es keine „Rover*innen als Leiter*innen“ sind. Aber eins noch: ''Daumen hoch und Glückwunsch zu eurer Entscheidung!'' 



<u>Der Fall von Rover*innen, die 18 Jahre alt werden und (unmittelbar) Leiter*in werden, ist zweifelsfrei mit der DPSG Ordnung vereinbar. Hier ist der zentrale Punkt wie diese Entscheidung zu Stande gekommen ist.</u> Jede Leiterrunde wird sagen können, dass dies freiwillig geschehen ist. Und es gibt natürlich Rover*innen, die mit 18 sofort Leiter*in werden möchten. Ihnen sollte man den Weg nicht versperren, sofern nichts dagegenspricht. Und wenn etwas dagegenspricht, obliegt es der Leiterrunde und dem Stammesvorstand sie bestmöglich auf das Leiter-Sein vorzubereiten. Sollten absolute Kriterien vorliegen, die dies ausschließen, muss entsprechen reagiert werden.


Es gibt aber auch den Fall, dass Rover*innen streng genommen aus nicht gänzlich freien Stücken Leiter*innen werden. Typischerweise bei „akutem Leitermangel“, wie bereits im Rover Leitungshandbuch von 2002 beschrieben. Hierbei hat der Stamm ein Problem das Aufrechthalten der Gruppen bzw. Gruppenstunden zu gewährleisten, weil zu wenig Leiter*innen aktiv sind. Dieser Fall ähnelt sehr Rover*innen als Leiter*innen.


===Rover*innen als Leiter*innen===
In dieser Gruppe finden sich alle Rover*innen, die sich noch als Teil der Roverrunde verstehen und gleichzeitig als Leiter*in auftreten. Beides ist eigentlich nicht möglich. Entweder Rover oder Leiter. Dieser Grundsatz gilt immer. Der Verband nimmt dazu ganz klar Stellung: <blockquote>„Sie [Rover*innen] scheiden aus der Roverrunde aus, sobald sie eine Leitungsaufgabe übernehmen.“ <ref>DPSG Ordnung, Stand 2019, 8.4 Roverstufe, "Strukturen" </ref></blockquote>Ist sich die Roverin oder der Rover dessen bewusst, sollte eine klare Entscheidung getroffen werden, da hiermit die Roverzeit beendet würde bzw. beendet werden sollte. Sie würde per DPSG Ordnung beendet und sie sollte beendet werden, um eine klare Linie zu verfolgen. Dies hilft es besonders jungen Leiter*innen sich mit der neuen Herausforderung auseinanderzusetzen und sich zurecht zu finden.


Rover*innen, die noch minderjährig sind, dürfen schlicht nicht Leiter*innen sein. Und das hat auch gute Gründe. Denn wer das Leiter-Sein ernstnimmt, weiß um die weitreichende Verantwortung. Nicht nur juristisch, sondern auch moralisch.


Es ist zwar irgendwie zulässige, aber der kritischste Fall: Rover*innen, die noch Teil der Roverrunde bleiben möchten, aber bereits Leitungsaufgaben übernehmen. Wie es dazu kommt, ist sicherlich bekannt. Leitermangel, der zu „freiwilliger“ Übernahme von Leitungsaufgaben seitens der Rover*innen führt. Mit Leitungsaufgaben ist ausdrücklich nicht gemeint, dass Rover*innen hier und da die Leiterrunde unterstützen, sondern dass sie als Leiter auftreten – auch im Team mit anderen Leitern*innen. Es ist weder fair, noch kann von Freiwilligkeit gesprochen werden, wenn im Raum steht, dass eine Gruppe nur dann fortbestehen kann, wenn der/die Rover*in Leitungsaufgaben übernimmt. 


Nicht umsonst wurde in den [[Stufenschwerpunkten [Link]]] formuliert, dass Rover*innen Verantwortung übernehmen und die wichtigen Dinge tun. Jedoch wäre es eine bewusste Fehlinterpretation es so auszulegen, dass man ihnen den Fortbestand einer Gruppe oder des Stammes auf bürgt. Sie sind sicherlich ab einem gewissen Alter und Reife dazu in der Lage, jedoch werden sie ihrer Roverzeit beraubt.


Bereits in der DPSG Ordnung von 2007 wird klar ausformuliert, dass die Roverzeit ein Recht ist und nicht leichtfertig mit ihr umgegangen werden sollte [Link zum Absatz]. Dieses Recht gilt es seitens der Leiterrunde zu respektieren und seitens der Roverleiter*innen aktiv zu schützen. Dies bedeutet auch dem/der Rover*in fair und objektiv mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. 


==Leitermangel==
Viele Stämme sind im Laufe der Zeit mit Leitermangel konfrontiert. Gründe hierfür sind vielseitig. Oft sind es wechselnde Lebensumstände mehrerer Mitglieder der Leiterrunde. Natürlich, außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Jedoch ist das „Abwerben“ von Rovern*innen hin zur Leiterrunde keine Maßnahme oder Notlösung. Es ist unfair.


Es ist Aufgabe der Leiterrunde diese Situation anzupacken – und es ist zweifellos eine schwere Herausforderung. Diese Verantwortung hierbei auf Rover*innen abzuschieben ist nicht der richtige Weg. Im Rover Leitungshandbuch von 2002 steht dazu folgendes:


„Nun kann man der Leiterrunde nicht unterstellen, sie wolle die Roverarbeit mit Abwerbung mutwillig kaputt machen. In der Regel ergibt sich so etwas durch akuten Leitermangel. Dass dies aber nicht der goldene Weg ist, muss einigen Vorständen erst klar gemacht werden. Natürlich ist dieses Vorgehen sehr bequem: Den Rovern muss nicht erklärt werden, wie die Abläufe in der DPSG stattfinden; die Vokabeln sind bekannt; praktische Gruppenarbeit kennen sie schon von der anderen Seite.“ [RLHB<ref>Rover Leitungshandbuch, Stand 2002, "Abwerbung aus Not", S. 121]</ref>



Stattdessen sei Stämmen, die unter Leitermangel leiden, empfohlen den Mut zu haben sich Hilfe zu holen. Das ist kein Eingeständnis gescheitert zu sein, sondern ein guter und wichtiger Schritt, um eine gute Leitung der Gruppen zu gewährleisten. Je früher dies geschieht, desto besser. Hierzu mehr unter „Lösungsansätze“ [Link][[Lösungsansätze]].


==Selbstverständnis der Roverstufe==


===Schwerpunkte der Roverstufe 2016===
Im Rahmen der Bundeskonferenz der Roverstufe vom 23. bis 25.09.2016 in Essen wird die Stufenpädagogik und Lebenswelt der Rover beleuchtet. Hieraus entstehen sechs Schwerpunkte [link], von denen mindestens zwei direkt bzw. indirekt auf „Rover*innen als Leiter*innen“ verweisen. 


Gleich zu Beginn heißt es „Rover übernehmen Verantwortung – Rover tun die wichtigen Dinge“. Dies lässt sich auf den ersten Blick problemlos mit „Rover*innen als Leiter“ vereinbaren. Betrachtet man dies jedoch differenzierter, eröffnet sich ein breiter Fächer von Bereichen, für die Verantwortung übernommen werden könnte. Grundsätzlich ist zwischen Verantwortung für sich selbst, für andere und für übergeordnete Themen zu unterscheiden. Letzteres sind vornehmlich Themen, die einen direkt oder indirekt betreffen, man jedoch selbst nur ein Teil der Betroffenen insgesamt ist. 


[Vielleicht Link zu „Abgrenzung zu anderen Stufen“ und „Struktur der Roverstufe“? ]


Es ist unstrittig, dass Rover*innen in der Lage sein können für Andere Verantwortung zu übernehmen. Ebenso können sie Verantwortung für „die großen Themen“ übernehmen – dies ist sogar wünschenswert. [Link zu Politik usw.] Dem voran sollte aber die Verantwortung für sich selbst stehen. Sie bildet das Fundament für einen gesunden Umgang mit sich selbst und gibt die Stärke andere hierbei zu unterstützen oder eben auch Themen wie politische Mitbestimmung, Umwelt-Engagement, Menschenrechte u.ä. aktiv mitzugestalten.


Dieser Gedanke der schrittweisen Übernahme von Verantwortung findet sich auch im Schwerpunkt „Rover haben Leiter – Rover brauchen ein ‚Roverschutzgebiet‘ “ [Link]. Rover*innen sind junge Menschen, die eine Vielzahl von Schritten in sehr kurzer Zeit vollziehen. Rein rechtlich werden sie vom Kind zum Erwachsenen, etwas präziser gefasst vom Jugendlichen zum jungen Volljährigen. Mit Eintritt in die Roverstufe im Alter von 16 Jahren (seit 2018 auch mit 15 Jahren möglich) eröffnen sich ihnen neue Rechte und Pflichten [Link]. Sie dürfen den Führerschein [Link] machen, haften zunehmend bis ganz für ihr Handeln [Link]. Es stehen Entscheidungen an, die maßgebliche Weichen für ihr Leben stellen, wie Ausbildung, Studium, Job und oftmals die erste eigenen Wohnung. [Link zu Rover*innen haben Leiter*innen] 


Diese spannende Zeit gilt es zu genießen, sich darauf einzulassen und auch Entscheidungen und Konsequenzen weitreichender abzuwägen. Grund genug den Rovern*innen ein „Schutzgebiet“ zu ermöglichen, in dem sie sich entfalten und wachsen können, ohne bereits selbst einen Verantwortungsraum für Andere aufbauen zu müssen.


===Rovermut 2002===
Im Buch Rovermut werden im Kapitel „berover“ sehr klare und ehrliche Worte gefunden. Es werden einerseits die Rover*innen angesprochen, andererseits auch deren Leiter*innen. Ein offenkundig wichtiger Appell an die Rover*innen erfolgt direkt vorneweg:


Mach dich stark für deine Runde
Setze dich ein für ihren Fortbestand
Lass dich nicht zu früh zum Funktionär machen


[Rovermut, S. 78, „Rover, bleibt bei eurer Runde!“]


Unmittelbar daneben finden sich die „10 Argumente, Anwalt für die Roverstufe zu sein“ [S. 78 ff.]. Ein detaillierter Blick in die Lektüre lohnt sich in jedem Fall. Gleich zu Beginn heißt es:


„Die ‚Rover-werden-Leiter-Praxis‘ schadet der Roverstufe, den jugendlichen Leitern, den betroffenen Runden, der Leiterrunde, dem Stamm und auch dem gesamten Verband. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht bei allen diesen Argumenten nicht darum, den Rovern zu sagen, dass wir ihnen das Leiten (noch) nicht zutrauen würden oder ihr Engagement bremsen wollen würden. Das stimmt auch überhaupt nicht. Wir wissen aber, dass Roverinnen und Rover sehr empfänglich für die Leiterfrage sind […]. Rover sollen ihre Roverzeit genießen können, Spaß haben, ihre Gruppe erleben können, sich austoben können. Dazu haben sie nur vier Jahre Zeit – diese kurze Zeit gilt es zu nutzen!“


===Rover Leitungshandbuch 2002===
Im Rover Leitungshandbuch in der Fassung von 2002 ist dem bereits ein eigenes Kapitel gewidmet und es wird in dessen Überschrift auch sehr klar Stellung bezogen: „Rover sind keine Leiter“ (RLHB, Stand 2002, S. 121). Das Kapitel eröffnet mit dem Satz „Ein altes, ein leidiges Thema: Sollen oder dürfen Roverinnen und Rover Leiterinnen bzw. Leiter werden?“ (RLHB, Stand 2002, S. 121)


Offenkundig hat sich die Stufenleitung entschlossen dieses wichtige Thema auch aus Sicht der Roverstufe tiefer zu beleuchten und sich eindeutig zu positionieren. Ebenso wird deutlich, dass die Fragestellung nicht neu ist und die DPSG insgesamt schon lange beschäftigt.


===Rover Leitungshandbuch 1996===
Wer das Rover Leitungshandbuch von 1996 durchblättert wird feststellen, dass überhaupt nicht auf das Thema von Rovern*innen als Leiter eingegangen wird. Der Abschnitt „Einmal Rover – immer Rover?“ (Rover Leitungshandbuch, Stand September 1996, S. 39) beleuchtet in erster Linie den „regulären“ Austritt aus der Roverstufe. Dies kann einerseits der Eintritt in die Leiterrunde sein oder auch das (vorläufige) Ende der Pfadfinderzeit.


==Verbandlicher Standpunkt zur Roverstufe==
Die DPSG ist ein lebendiger Verband, der sich auf den Wandel der Lebenswelten einzelner Altersstufen über die Zeit einlässt und sich weiterentwickelt. Dies zeigt sich ganz operativ im Selbstverständnis der einzelnen Mitglieder, und wird durch sie in und über die verbandlichen Ebenen weitergetragen [Link zur Struktur der DPSG]. So kann im eigenen Stamm, im Bezirk, der Diözese und auf Bundesebene immer wieder beobachtet werden wie Veränderungen per se geschehen oder auch gezielt umgesetzt werden.


Solche gezielten Veränderungen bzw. Entwicklungen werden dann institutionalisiert – oder einfach ausgedrückt – sie werden zu Papier gebracht. Und selbst das ändert sich über die Zeit, denn die Veröffentlichungsmedien gehen auch (oft) mit der Zeit.


[möglicherweise Statistik der Zahlen zu Altersstufen der DPSG über die Zeit beim Mitgliederservice anfragen und schauen, ob sich etwas zu „Stufen im Wandel der Zeit“ sagen lässt. Insbesondere das Zahlenverhältnis Leiter zu Grüpplingen]


===DPSG Ordnung 2019===
Auch in der Fassung von 2019 wird in der DPSG Ordnung klar gesagt, dass Rover*innen nicht zeitgleich Leiter*innen sein können. Hiermit ist nicht ihre grundsätzliche Befähigung gemeint, sondern die Tatsache, dass sie ihre Roverzeit in vollen Zügen genießen dürfen, dass dies ihr Recht ist wie bei jeder anderen Stufe auch.


„Rover*innen können im Stamm nicht gleichzeitig zur Mitgliedschaft in der Roverrunde die Leitung einer Gruppe übernehmen. Sie scheiden aus der Roverrunde aus, sobald sie eine Leitungsaufgabe übernehmen. Bei der Entscheidung, Leiter*in zu werden erhalten sie Unterstützung durch die Roverleitung und die Stammesleitung.“ (Ordnung der DPSG, Stand: September 2019, „Strukturen“)


===DPSG Ordnung 2007===
Wenn Rover*innen sich überlegen Leiter*in zu werden, ist die dies zu begrüßen und zu unterstützen. So wird es auch ganz ausdrücklich in der DPSG Ordnung von 2007 formuliert. Es sind Jugendliche, die sich der Herausforderung stellen nicht nur für sich, sondern auch für andere Verantwortung zu übernehmen. Dabei geht es nicht um eine bedingungslose Befürwortung dieser Überlegung, sondern eine faire und objektive Betrachtung gemeinsam mit dem/der Rover*in.


„Bei der Entscheidung, selbst eine Leitungsfunktion zu übernehmen, erhalten Rover*innen Unterstützung durch die Roverleitung und die Stammesleitung. Mitglieder der Roverstufe können aber nicht gleichzeitig die Leitung einer Alter[s]stufe der DPSG übernehmen. Rover*innen, die eine Leitungsaufgabe in der DPSG übernehmen, scheiden aus der Roverrunde aus. Rover*innen haben ein Recht auf ihr Rover-Sein – vier Jahre Leben in der Roverstufe sollten nicht unbedacht verschenkt werden.“ (Ordnung der DPSG, Stand: 2007, „Strukturen der Roverstufe“, S. 51 Printversion)


===DPSG Ordnung 2001===
Bereits in der Ordnung von 2001, auf die sich das Rover Leitungshandbuch von 2002 bezieht, steht ganz klar, dass Rover keine Leiter sind. Oder schärfer ausgedrückt, auf die Pfadfinderstufe folgt nicht der Schritt zum/zur Leiter*in, sondern der Schritt in die Roverstufe.


„In der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg schließen sich Jugendliche und junge Erwachsene in altersgemäßer Form zusammen. Deshalb werden Pfadfinderinnen und Pfadfinder im 17. Lebensjahr Rover – und keine Leiter.“ (S. 50 DPSG Ordnung Fassung 2001)


==Lösungsansätze==
Die beste Lösung ist, keine Lösung zu brauchen. Eine funktionierende und ausreichend große Leiterrunde bewahrt nicht nur davor Rover*innen gewollt oder ungewollt, um ihre Roverzeit zu bringen. Auch macht die ehrenamtliche Tätigkeit mehr Spaß und bildet eine starke Säule in schwierigen Zeiten.


Getreu dem Motto „Vorsicht ist besser als Nachsicht“, kann frühzeitiges Agieren statt (zu) spätes Reagieren den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg sein. Spätestens wenn sich abzeichnet, dass es zu Leitermangel kommen könnte, sollten Maßnahmen ergriffen werden. Noch besser ist kontinuierlich daran zu arbeiten eine stabile Leitersituation im Stamm zu haben. Dazu zählt insbesondere eine funktionierende Roverrunde zu haben und die Rover*innen mit einem guten und spannenden Stufenprogramm im Stamm zu halten. 


An dieser Stelle sollen nur einige Ideen und Denkanstöße gegeben werden. Leitermangel ist eine weitreichende Thematik.


Stabile Roverrunde, um Leiter-Nachwuchs zu sichern
Ehemalige reaktivieren oder zumindest um Rat fragen (Leitermangel wiederholt sich oft)
Quereinsteiger werben
Leiter*innen in der Region finden, die aktuell (vielleicht) nicht aktiv sind
Bei Bezirksleitung und/oder Diözesanleitung Unterstützung anfordern, frühzeitig!
Hilfe von der Bundesebene holen: Es gibt dafür im Rahmen der Lilienpflege extra ein Programm bei denen ihr mit Workshops, Werbematerial und Erfahrung unterstützt werden könnt. [Link: <nowiki>https://dpsg.de/de/aktionen/lilienpflege/leiterinnen-gewinnen.html</nowiki> ]



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'''„Rover*innen haben ein Recht auf ihr Rover-Sein – vier Jahre Leben in der Roverstufe sollten nicht unbedacht verschenkt werden.“''' <ref>DPSG Ordnung, Stand 2007, "Strukturen der Roverstufe", S. 51</ref>
 
'''„Rover*innen haben ein Recht auf ihr Rover-Sein – vier Jahre Leben in der Roverstufe sollten nicht unbedacht verschenkt werden.“''' <ref>DPSG Ordnung, Stand 2007, "Strukturen der Roverstufe", S. 51</ref>
  
In der Abfolge der Altersstufen folgt auf die Roverzeit die Möglichkeit zum Einstieg in die Leiterrunde. Baden Powell schreibt dazu: <blockquote>„Rover sollten die Hauptquelle für unseren Bedarf an Leitern sein.“ <ref>Robert baden-Powell, Notiz an die Roverstufe, datiert 11.04.1932, unveröffentlicht</ref></blockquote>Das bedeutet aber auch, dass Rover*innen eine Roverzeit haben. Sie haben das Recht darauf [Link nach weiter unten]. Diese spannende Zeit in der Entwicklung der Jugendlichen soll respektiert werden, Erlebnisse ermöglicht werden. Auch Leitermangel darf nicht dazu führen, dass Rover*innen vorzeitig zu Leitern*innen „gemacht“ werden. Von Freiwilligkeit kann zudem keine Rede sein, wenn sie vermittelt bekommen, dass ohne diesen Schritt Gruppen vielleicht aufgelöst werden müssen.
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In der Abfolge der Altersstufen folgt auf die Roverzeit die Möglichkeit zum Einstieg in die Leiterrunde.  
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Baden Powell schreibt dazu: „Rover sollten die Hauptquelle für unseren Bedarf an Leitern sein.“ <ref>Robert baden-Powell, Notiz an die Roverstufe, datiert 11.04.1932, unveröffentlicht</ref>
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Das bedeutet aber auch, dass Rover*innen eine Roverzeit haben. Sie haben das Recht darauf [Link nach weiter unten]. Diese spannende Zeit in der Entwicklung der Jugendlichen soll respektiert werden, Erlebnisse ermöglicht werden. Auch Leitermangel darf nicht dazu führen, dass Rover*innen vorzeitig zu Leitern*innen „gemacht“ werden. Von Freiwilligkeit kann zudem keine Rede sein, wenn sie vermittelt bekommen, dass ohne diesen Schritt Gruppen vielleicht aufgelöst werden müssen.
  
 
Betrachtet man alle hier aufgeführten Quellen wird deutlich, dass die Essenz vieler Jahrzehnte Erfahrung im Verband und der Roverstufe klar besagen, dass die potenziell ereignisreiche Roverzeit kurz ist, einen wichtigen Teil der Persönlichkeitsentwicklung darstellt und nicht aus rein organisatorischen Gründen aufgegeben werden sollte.
 
Betrachtet man alle hier aufgeführten Quellen wird deutlich, dass die Essenz vieler Jahrzehnte Erfahrung im Verband und der Roverstufe klar besagen, dass die potenziell ereignisreiche Roverzeit kurz ist, einen wichtigen Teil der Persönlichkeitsentwicklung darstellt und nicht aus rein organisatorischen Gründen aufgegeben werden sollte.
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Rover*innen, die am Ende der regulären Roverzeit in die Leiterrunde wechseln, werden hier nicht weiter ausgeführt, da es keine „Rover*innen als Leiter*innen“ sind. Aber eins noch: ''Daumen hoch und Glückwunsch zu eurer Entscheidung!''  
 
Rover*innen, die am Ende der regulären Roverzeit in die Leiterrunde wechseln, werden hier nicht weiter ausgeführt, da es keine „Rover*innen als Leiter*innen“ sind. Aber eins noch: ''Daumen hoch und Glückwunsch zu eurer Entscheidung!''  
  
<u>Der Fall von Rover*innen, die 18 Jahre alt werden und (unmittelbar) Leiter*in werden, ist zweifelsfrei mit der DPSG Ordnung vereinbar. Hier ist der zentrale Punkt wie diese Entscheidung zu Stande gekommen ist.</u> Jede Leiterrunde wird sagen können, dass dies freiwillig geschehen ist. Und es gibt natürlich Rover*innen, die mit 18 sofort Leiter*in werden möchten. Ihnen sollte man den Weg nicht versperren, sofern nichts dagegenspricht. Und wenn etwas dagegenspricht, obliegt es der Leiterrunde und dem Stammesvorstand sie bestmöglich auf das Leiter-Sein vorzubereiten. Sollten absolute Kriterien vorliegen, die dies ausschließen, muss entsprechen reagiert werden.
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Der Fall von Rover*innen, die 18 Jahre alt werden und (unmittelbar) Leiter*in werden, ist zweifelsfrei mit der DPSG Ordnung vereinbar. Hier ist der zentrale Punkt wie diese Entscheidung zu Stande gekommen ist. Jede Leiterrunde wird sagen können, dass dies freiwillig geschehen ist. Und es gibt natürlich Rover*innen, die mit 18 sofort Leiter*in werden möchten. Ihnen sollte man den Weg nicht versperren, sofern nichts dagegenspricht. Und wenn etwas dagegenspricht, obliegt es der Leiterrunde und dem Stammesvorstand sie bestmöglich auf das Leiter-Sein vorzubereiten. Sollten absolute Kriterien vorliegen, die dies ausschließen, muss entsprechen reagiert werden.
  
 
Es gibt aber auch den Fall, dass Rover*innen streng genommen aus nicht gänzlich freien Stücken Leiter*innen werden. Typischerweise bei „akutem Leitermangel“, wie bereits im Rover Leitungshandbuch von 2002 beschrieben. Hierbei hat der Stamm ein Problem das Aufrechthalten der Gruppen bzw. Gruppenstunden zu gewährleisten, weil zu wenig Leiter*innen aktiv sind. Dieser Fall ähnelt sehr Rover*innen als Leiter*innen.
 
Es gibt aber auch den Fall, dass Rover*innen streng genommen aus nicht gänzlich freien Stücken Leiter*innen werden. Typischerweise bei „akutem Leitermangel“, wie bereits im Rover Leitungshandbuch von 2002 beschrieben. Hierbei hat der Stamm ein Problem das Aufrechthalten der Gruppen bzw. Gruppenstunden zu gewährleisten, weil zu wenig Leiter*innen aktiv sind. Dieser Fall ähnelt sehr Rover*innen als Leiter*innen.
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Es ist zwar irgendwie zulässige, aber der kritischste Fall: Rover*innen, die noch Teil der Roverrunde bleiben möchten, aber bereits Leitungsaufgaben übernehmen. Wie es dazu kommt, ist sicherlich bekannt. Leitermangel, der zu „freiwilliger“ Übernahme von Leitungsaufgaben seitens der Rover*innen führt. Mit Leitungsaufgaben ist ausdrücklich nicht gemeint, dass Rover*innen hier und da die Leiterrunde unterstützen, sondern dass sie als Leiter auftreten – auch im Team mit anderen Leitern*innen. Es ist weder fair, noch kann von Freiwilligkeit gesprochen werden, wenn im Raum steht, dass eine Gruppe nur dann fortbestehen kann, wenn der/die Rover*in Leitungsaufgaben übernimmt.  
 
Es ist zwar irgendwie zulässige, aber der kritischste Fall: Rover*innen, die noch Teil der Roverrunde bleiben möchten, aber bereits Leitungsaufgaben übernehmen. Wie es dazu kommt, ist sicherlich bekannt. Leitermangel, der zu „freiwilliger“ Übernahme von Leitungsaufgaben seitens der Rover*innen führt. Mit Leitungsaufgaben ist ausdrücklich nicht gemeint, dass Rover*innen hier und da die Leiterrunde unterstützen, sondern dass sie als Leiter auftreten – auch im Team mit anderen Leitern*innen. Es ist weder fair, noch kann von Freiwilligkeit gesprochen werden, wenn im Raum steht, dass eine Gruppe nur dann fortbestehen kann, wenn der/die Rover*in Leitungsaufgaben übernimmt.  
  
Nicht umsonst wurde in den Stufenschwerpunkten [Link] formuliert, dass Rover*innen Verantwortung übernehmen und die wichtigen Dinge tun. Jedoch wäre es eine bewusste Fehlinterpretation es so auszulegen, dass man ihnen den Fortbestand einer Gruppe oder des Stammes auf bürgt. Sie sind sicherlich ab einem gewissen Alter und Reife dazu in der Lage, jedoch werden sie ihrer Roverzeit beraubt.
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Nicht umsonst wurde in den [[Stufenschwerpunkten]] formuliert, dass Rover*innen Verantwortung übernehmen und die wichtigen Dinge tun. Jedoch wäre es eine bewusste Fehlinterpretation es so auszulegen, dass man ihnen den Fortbestand einer Gruppe oder des Stammes auf bürgt. Sie sind sicherlich ab einem gewissen Alter und Reife dazu in der Lage, jedoch werden sie ihrer Roverzeit beraubt.
  
Bereits in der DPSG Ordnung von 2007 wird klar ausformuliert, dass die Roverzeit ein Recht ist und nicht leichtfertig mit ihr umgegangen werden sollte [Link]. Dieses Recht gilt es seitens der Leiterrunde zu respektieren und seitens der Roverleiter*innen aktiv zu schützen. Dies bedeutet auch dem/der Rover*in fair und objektiv mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.  
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Bereits in der DPSG Ordnung von 2007 wird klar ausformuliert, dass die Roverzeit ein Recht ist und nicht leichtfertig mit ihr umgegangen werden sollte [Link zum Absatz]. Dieses Recht gilt es seitens der Leiterrunde zu respektieren und seitens der Roverleiter*innen aktiv zu schützen. Dies bedeutet auch dem/der Rover*in fair und objektiv mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.  
  
 
==Leitermangel==
 
==Leitermangel==
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Es ist Aufgabe der Leiterrunde diese Situation anzupacken – und es ist zweifellos eine schwere Herausforderung. Diese Verantwortung hierbei auf Rover*innen abzuschieben ist nicht der richtige Weg. Im Rover Leitungshandbuch von 2002 steht dazu folgendes:
 
Es ist Aufgabe der Leiterrunde diese Situation anzupacken – und es ist zweifellos eine schwere Herausforderung. Diese Verantwortung hierbei auf Rover*innen abzuschieben ist nicht der richtige Weg. Im Rover Leitungshandbuch von 2002 steht dazu folgendes:
  
„Nun kann man der Leiterrunde nicht unterstellen, sie wolle die Roverarbeit mit Abwerbung mutwillig kaputt machen. In der Regel ergibt sich so etwas durch akuten Leitermangel. Dass dies aber nicht der goldene Weg ist, muss einigen Vorständen erst klar gemacht werden. Natürlich ist dieses Vorgehen sehr bequem: Den Rovern muss nicht erklärt werden, wie die Abläufe in der DPSG stattfinden; die Vokabeln sind bekannt; praktische Gruppenarbeit kennen sie schon von der anderen Seite.“ [RLHB, Stand 2002, Abwerbung aus Not, S. 121]
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„Nun kann man der Leiterrunde nicht unterstellen, sie wolle die Roverarbeit mit Abwerbung mutwillig kaputt machen. In der Regel ergibt sich so etwas durch akuten Leitermangel. Dass dies aber nicht der goldene Weg ist, muss einigen Vorständen erst klar gemacht werden. Natürlich ist dieses Vorgehen sehr bequem: Den Rovern muss nicht erklärt werden, wie die Abläufe in der DPSG stattfinden; die Vokabeln sind bekannt; praktische Gruppenarbeit kennen sie schon von der anderen Seite.“ <ref>Rover Leitungshandbuch, Stand 2002, "Abwerbung aus Not", S. 121</ref>
  
Stattdessen sei Stämmen, die unter Leitermangel leiden, empfohlen den Mut zu haben sich Hilfe zu holen. Das ist kein Eingeständnis gescheitert zu sein, sondern ein guter und wichtiger Schritt, um eine gute Leitung der Gruppen zu gewährleisten. Je früher dies geschieht, desto besser. Hierzu mehr unter „Lösungsansätze“ [Link].
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Stattdessen sei Stämmen, die unter Leitermangel leiden, empfohlen den Mut zu haben sich Hilfe zu holen. Das ist kein Eingeständnis gescheitert zu sein, sondern ein guter und wichtiger Schritt, um eine gute Leitung der Gruppen zu gewährleisten. Je früher dies geschieht, desto besser. Hierzu mehr unter [[Lösungsansätze]].
  
 
==Selbstverständnis der Roverstufe==
 
==Selbstverständnis der Roverstufe==

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