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Roverinnen und Rover übernehmen Verantwortung

Piktogramm zum Schwerpunkt Roverinnen und Rover übernehmen Verantwortung

Während der Roverzeit verändert sich viel, die Rover*innen bekommen mehr Freiraum, um eigene Entscheidungen treffen zu können, gleichzeitig werden aber auch die Erwartungen an sie größer. Mit Roverinnen und Rover übernehmen Verantwortung wird diese für die Roverstufe sehr prägende Veränderung beschrieben und für die Arbeit in der Runde nutzbar gemacht.

Verantwortung, was ist das überhaupt?

Aber woher kommt das Wort Verantwortung, das im Alltag ganz selbstverständlich verwendet wird, überhaupt? In Verantwortung steckt das Wort antworten, das ursprünglich bedeutete, sich vor Gericht zu verteidigen, also für etwas einzustehen bzw. etwas zu vertreten. Wenn man also den Wortursprung zugrunde legt, könnte man sagen:

Wer Verantwortung übernimmt, muss auch Antworten geben können.

Verantwortung bezieht sich aber immer nur auf das, was für den Einzelnen möglich ist und was sich nicht seiner Entscheidung entzieht. Man kann also nur verantwortlich sein, wenn man die Freiheit für eigene Entscheidungen hat. Freiheit ist in diesem Fall die Möglichkeit, auch anders handeln zu können. Je mehr Freiheit, Macht oder Wissen man besitzt, desto größer wird auch die eigene Verantwortung.

Wenn man Verantwortung übernimmt, dann kann sich das auf vergangene Ereignisse oder auf die Zukunft beziehen. Für etwas zur Verantwortung gezogen werden kann man aber nur, wenn man von Anfang an dafür verantwortlich war.

In einem philosophischen Ansatz verantwortet ein Verantwortungssubjekt ein Verantwortungsobjekt nach einem Bewertungsmaßstab gegenüber einer Verantwortungsinstanz. Ein Beispiel: „Der Rover XYZ ist verantwortlich für den ordnungsgemäßen Abbau der Zelte des Stammes.“ Das Verantwortungssubjekt ist in diesem Fall „Rover XYZ“, der für seine Handlungen sowie die beabsichtigten Folgen seiner Handlung verantwortlich ist. Der „Abbau der Zelte“ ist das Verantwortungsobjekt, wofür er Sorge trägt. In diesem Beispiel ist „der Stamm“ die Instanz, vor der er sich verantworten muss; und der Maßstab, nach dem die Verantwortung bewertet wird, ist „ordnungsgemäß“. Andere Bewertungsmaßstäbe können beispielsweise juristische Gesetze, moralische Regeln, gesellschaftliche Werte, Konventionen oder Standards sein.

Verantwortung in der Roverrunde

Verantwortung zu tragen, ist die Verpflichtung, bestimmte Aufgaben zu übernehmen und sich dafür einzusetzen, dass sie bestmöglich umgesetzt werden. Die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, ist in jedem Menschen angelegt. Die Entwicklung dieses Potenzials ist jedoch abhängig von den Erfahrungen, die man in der eigenen kulturellen und sozialen Umwelt macht. Verantwortung ist lernbar und auf das Lernen angewiesen.

Die wichtigsten Bereiche, in denen Roverrunden Verantwortung übernehmen sollen, sind:

  • Eigenverantwortung
  • Verantwortung in der Gruppe
  • Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft

Eigenverantwortung

Wer eigenverantwortlich ist, übernimmt für sein eigenes Handeln und die selbst getroffenen Entscheidungen Verantwortung. Das heißt, die daraus folgenden Konsequenzen werden akzeptiert, und es werden keine „Schuldigen“ gesucht. Außerdem bedeutet es, Eigenverantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen.

Verantwortung für sich selbst umfasst dabei folgende Aspekte:

  • Man soll auf die eigene körperliche und mentale Gesundheit achten.
  • Man soll Ziele und Wünsche haben und sie erreichen wollen.
  • Man soll die eigenen Leistungsgrenzen erkennen und respektieren.

Wenn man es schafft, diese Aspekte ausgewogen im Blick zu haben, legt man eine wesentliche Grundlage, um psychisch widerstandsfähig (resilient) zu werden und zu bleiben.

Die folgenden Punkte sind Möglichkeiten, die Rover*innen helfen können, erfolgreich ihr Leben zu bewältigen:

  • Einen Sinn im Leben sehen: beispielsweise über die Orientierung an persönlichen Werten
  • Kohärenzgefühl: die Anforderungen des Lebens als verstehbar, bewältigbar und sinnhaft empfinden
  • Positive Emotionen: regelmäßig für positive Gefühle und Stimmungen sorgen, auch in stressigen Situationen
  • Widerstandsfähigkeit (Resilienz): aktiv an verschiedenen Lebensbereichen mitwirken, Situationen als kontrollierbar empfinden und Anforderungen als Herausforderung annehmen
  • Selbstwertgefühl: positiv auf die eigene Person blicken
  • Aktives Coping: Stress sowie kritische oder traumatische Lebensereignisse aktiv bewältigen, z. B. mittels problemorientierter Lösungsstrategien
  • Selbstwirksamkeitserwartung: überzeugt davon sein, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können
  • Optimismus: zu positiven Ergebniserwartungen und positiven Ursachenzuschreibungen von Ereignissen tendieren
  • Soziale Unterstützung: auf ein funktionierendes soziales Netzwerk zugreifen können
  • Kognitive Flexibilität: auf veränderte Umweltbedingungen durch Flexibilität im Denken und Handeln reagieren
  • Religiosität/Spiritualität: an Gottesdiensten teilnehmen bzw. sich mit Sinnfragen des Lebens beschäftigen

Verantwortung in der Gruppe

Je umfangreicher die Aufgaben werden, desto häufiger ist es notwendig, Verantwortlichkeiten für die jeweilige Situation zu klären. Der Leitung fällt dabei die Aufgabe zu, die Verantwortungsübernahme zu begleiten. Und wo es notwendig ist, muss sie Transparenz herstellen. Dabei gilt es, zwischen der Person und dem Bereich, für den sie Verantwortung übernimmt, zu unterscheiden. Es ist sinnvoll, sich mit den Rover*innen darüber zu unterhalten, wie viel Verantwortung sie tragen wollen und können. Mit wachsender Freiheit und Selbstständigkeit erweitern sich die Bereiche, für die Verantwortung übernommen werden muss und darf.

Leiter*innen übernehmen oft die Aufgabe von Moderator*innen. Die Leitung versucht sicherzustellen, dass die Verantwortung weder eine Unter- noch eine Überforderung wird. Die Aufgabe ist es, bei Überforderung schützend einzugreifen (z. B. bei zu hohen Anforderungen aus der Leiterrunde). Dabei darf aber nicht der Raum für persönliche Verantwortung eingeschränkt werden.

Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft

Papst Franziskus stellt in der Enzyklika „Laudato Si“ die Verantwortung anderen Menschen und der Umwelt gegenüber in den Mittelpunkt. Sein Ziel ist ein weltweiter Dialog, um Lösungen für die Zukunft des Planeten zu finden. Er formuliert ethische Überlegungen, die sich ausdrücklich auch an andersgläubige oder nicht gläubige Menschen richten.

Die meisten Menschen in Deutschland haben eine positive Einstellung zur Umwelt. Im Alltag spiegelt sich das jedoch oft nicht im Verhalten wider. Dies hängt mit individuellen Möglichkeiten, mit gesellschaftlichen Konventionen und fehlender Eigeninitiative zusammen. Ein wichtiger Faktor für notwendige Verhaltensänderungen ist die moralische Wertschätzung durch andere.

Beim Umgang mit der Umwelt geht es um die Folgen für die Menschen, und zwar für alle Menschen. Zum einen müssen die Bedürfnisse aller heute lebenden Menschen berücksichtigt werden, zum anderen die der zukünftigen Generationen. Wer handelt, ist in der Verantwortung, die Folgen seines Handelns zu prüfen. Dieser Gedankengang lässt sich auf unseren Umgang miteinander, also auch auf unsere gesellschaftliche Verantwortung, übertragen.

Anerkennung für die notwendigen Verhaltensänderungen können Rover*innen in ihrer Runde und durch die Leiter*innen erfahren. Gruppenstunden und Aktionen bieten eine gute Möglichkeit, das eigene Verhalten zu hinterfragen und Handlungsalternativen auszuprobieren. Konkret kann man z. B. anregen, dass die Runde sich mit einem nachhaltigen Speiseplan beim Lager auseinandersetzt oder gemeinsam die Möglichkeiten, den eigenen CO2-Fußabdruck zu kompensieren bzw. reduzieren, überprüft.

In der Roverzeit werden grundlegende Werte ausgebildet. Daher spielt neben der persönlichen Umgebung auch die globale Perspektive eine Rolle in der Roverarbeit.

Als Leiter*innen Verantwortung übernehmen

Als Leiter*in trägt man selbstverständlich auch Verantwortung in vielfältiger Art und Weise. Die folgenden sechs praktischen Grundsätze sollen eine Grundlage für das Leitungshandeln geben.

1. Beginne bei Dir selbst!

Gib mit deinem Führungsstil ein gutes Beispiel ab. Damit motivierst du deine Runde, Verantwortung zu übernehmen. Denke z. B. an die Dinge, die du aufgeschoben hast, in der Hoffnung, dass ein anderer sie erledigt, und erledige sie selbst. Ehrliche Führung folgt dem Grundsatz: „auf Worte Taten folgen lassen“.

2. Zeige Wege auf!

Leiter*innen führen eine Gruppe. Wenn du deine Rover*innen fragst, welche Mittel sie benötigen und wie sie ihre Ziele erreichen wollen, kannst du herausfinden, was sie tatsächlich motiviert. Deine Aufgabe als Leiter*in ist es, die Fertigkeiten und Fähigkeiten deiner Runde zu fördern. Wenn die Rover*innen sich motiviert fühlen, werden sie auch Verantwortung übernehmen.

3. Fördere große Herausforderungen!

Gruppenzusammenhalt hat viel mit Motivation zu tun. Du musst es schaffen, dass deine Runde Herausforderungen sucht und die Roverstufe als Ort versteht, an dem man etwas umsetzen kann. Nur so kannst du die Lust auf Erfolg und auf das Erreichen von Zielen wecken. Habe dabei immer auch jede*n Einzelnen aus der Roverrunde im Blick und fördere die individuellen Begabungen und Fertigkeiten.

4. Hilf dabei, klare Ziele zu definieren!

Als Leiter*in gibst du die Ziele für die Runde nicht vor, sondern du hilfst den Rover*innen deiner Gruppe dabei, für sich selbst zu erarbeiten, was sie gemeinsam mittel- und langfristig erreichen möchten. Achte darauf, dass die Entscheidungen mit allen getroffen und möglichst alle Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Ziele müssen anspruchsvoll, realistisch und erreichbar sein, sonst nehmen sie der Runde die Motivation.

5. Fordere Verantwortungsgefühl ein!

Um die Runde dazu zu bringen, Verantwortung zu übernehmen, musst du die einzelnen Aufgaben eines Projekts deiner Runde kennen. Habe im Blick, wann einzelne Arbeitsschritte abgeschlossen sein sollen, wie viel Zeit das in Anspruch nehmen wird, wie die Umsetzung erfolgt usw. Hilf deiner Gruppe, Transparenz bei einem Projekt herzustellen und stelle sicher, dass alle zu Wort kommen und der Beitrag zum Projekterfolg von allen Rover*innen sichtbar wird. Das steigert die Eigenverantwortlichkeit der Gruppe und somit auch langfristig die Motivation.

6. Gib ausreichend Feedback!

Als Leiter*in musst du bereit sein, der Runde zu verschiedenen Zeitpunkten Feedback zu geben. Eine Rückmeldung, egal ob sie positiv oder kritisch ist, baut Vertrauen auf und motiviert Rover*innen nachhaltig. Versuche, dabei immer Vertrauen in das Können deiner Gruppe zu signalisieren. Beschreibe deine Beobachtungen möglichst konkret und wertschätzend.

Siehe auch

Methoden und Übungen für die Roverrunde zum Themenkomplex Verantwortung

Autor*innen

Christoph Rechsteiner