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Roverversprechen

Das Pfadfinderversprechen ist ein grundlegendes Element der pfadfinderischen Methode. Das Versprechen ist die persönliche, freiwillige Entscheidung, zur Gemeinschaft der Pfadfinder gehören zu wollen. Das Ablegen des Versprechens schafft häufig magische Momente und stärkt den Zusammenhalt und die Gemeinschaft der Gruppe. Es wurde der Pfadfinderbewegung von Baden-Powell mitgegeben und ist essenziell für alle Pfadfinder. [1] [2]

Folgende Punkte sind für die Roverstufe wichtig:

Das Roverversprechen

Die Traditionen, ob und wann es ein Roverversprechen gibt, sind sehr unterschiedlich. In manchen Stämmen legt man nur einmal, meist zu Beginn seiner Mitgliedschaft im Stamm, ein allgemeines Pfadfinderversprechen ab. In anderen Stämmen gibt es mit jedem Stufenwechsel ein entsprechendes Versprechen, also vom Wölflingsversprechen bis zum Roverversprechen. Und dann gibt es Gruppen und Stämme, in denen Pfadfinderversprechen häufiger und regelmäßig abgelegt oder erneuert werden, beispielsweise in jedem Sommerlager. Und natürlich gibt es auch Stämme, die ganz auf das Versprechen verzichten.

Ob nun also die Roverinnen und Rover bereits erfahren darin sind, ein Pfadfinderversprechen abzulegen oder sogar vorzubereiten, kann sich sehr von Runde zu Runde unterscheiden. Auch, ob es Traditionen im Stamm gibt, die bei der Planung und Durchführung zu beachten sind. Aber auch hier gilt: Keine Tradition, die sich nicht auch ändern oder sogar weiterentwickeln lässt.

Das Leitungsteam

Meist ist es das Leitungsteam, das den Impuls für das Versprechen gibt. Gerade, wenn es im Stamm keine feste Tradition für die Durchführung des Versprechens gibt, vor allem was den Zeitpunkt angeht. Ob und wie intensiv sich eine Roverrunde mit dem Thema Versprechen auseinandersetzen will, hängt dabei auch ganz entscheidend von der Einstellung des Leitungsteams dazu ab. Die wenigsten Roverrunden kommen von sich selbst auf die Idee, sich mit so einem Thema zu beschäftigen.

Die Vorbereitung durch das Leitungsteam

Nach dem Impuls geben durch das Leitungsteam fallen den Leiterinnen und Leiter folgende Aufgaben zu:

1. Überprüfen, welche Traditionen und Vorgaben es im Stamm gibt und schauen, welche Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheiten möglich sind.

2. Richtigen Zeitpunkt in der Runde abpassen.

3. Mit der Runde das Thema ansprechen: Was ist das Versprechen und welchen Stellenwert hat es? Was können Themen/Inhalt und was Rahmen sein?

4. Sich mit Runde auf einen Rahmen einigen und festlegen, wer was vorbereitet. Dabei wird vereinbart wer alles dabei sein soll, ob etwa der Stammesvorstand eingeladen wird und welche Aufgaben das Leitungsteam und die Mitglieder der Roverrunde übernehmen.

5. Inhaltliche Vorbereitung auf das Versprechen (Reflexion und Zielsetzung) und Hilfestellung bei der Formulierung der Texte.

6. Vorbereitung des Rahmens oder diesen im Blick behalten, wenn andere verantwortlich sind.

7. Eventuell Dinge organisieren, für die typischerweise das Leitungsteam verantwortlich ist (Halstücher, Lilien oder Aufnäher)

8. Möglicherweise einen Bonus oder Überraschung für die Rover organisieren

Zeitpunkt des Versprechens

Das Pfadfinderversprechen wird meist in jeder Stufe neu abgelegt, denn es beginnt ein neuer Abschnitt im Pfadfinderleben der Jugendlichen. In manchen Roverrunden oder Stämmen ist das Roverversprechen verbunden mit dem Wechsel in die Roverstufe, oft gibt es aber auch andere Traditionen bezüglich des Zeitpunkts. Der beste Zeitpunkt für das Versprechen ist allerdings dann, wenn die Gruppe bereit ist, sich mit dem Thema des Versprechens inhaltlich auseinanderzusetzen und die neuen Roverinnen oder der Rover in der neuen Roverrunde angekommen sind (siehe Gruppenphasen). Mit Blick auf die Entwicklung der Runde ist es ebenfalls empfehlenswert, wenn das Versprechen eher am Anfang steht und diese nach dem Versprechen noch einige Zeit in der gleichen Zusammensetzung bestehen bleibt.

Individuelles Versprechen gemeinsam mit und in der Runde

Was jeder und jede Einzelne verspricht, ist eine individuelle Entscheidung. Dennoch sind die Runde und das Leitungsteam entscheidend an dem Versprechen beteiligt. Das Versprechen wird der Gruppe gegeben und gemeinsam gefeiert. Die Versprechenden erfahren Unterstützung bei der Umsetzung von ihrer Runde. Durch das Versprechen wächst die Gruppe zusammen, positive Entwicklungen werden auch in der Gruppe angestoßen. Auch besteht die Möglichkeit, dass die alten Rundenmitglieder ihr Versprechen erneuern oder es einen gemeinsamen Teil mit einem Rundenversprechen o.ä. gibt.

Inhalt der Versprechens-Vorbereitung

Damit das Roversprechen gelingt, ist eine gute inhaltliche Vorbereitung für die Roverinnen und Rover auf das Versprechen entscheidend. Dabei wird das Versprechen aus der Reflexion des bisherigen Pfadfinderlebens, sowie Zielsetzungen und Vorhaben für die eigene Roverzeit entwickelt. Aufgabe der Roverrundenleitung ist es, die entsprechenden Schritte vorzubereiten und zu begleiten. Hilfreich können dabei beispielsweise folgende Materialien sein: das Pfadfindergesetz (https://dpsg.de/de/ueber-uns/satzung-ordnung-konzepte/pfadfinder-gesetz.html), Ordnungstexte (https://dpsg.de/de/ueber-uns/satzung-ordnung-konzepte/ordnung-satzung.html), Bilder und Fotos oder persönliche Gegenstände. Die weitere Vorbereitung kann sich dann wie folgt an den Schritten Sehen - Urteilen - Handeln orientieren.

Sehen: Hier blickt der Rover oder die Roverin auf sich selbst. Beispielsweise durch eine Selbstreflexion mit Fragen wie:Wer bin ich?”, “Was bedeutet es für mich Pfadfinder zu sein?”, “Was ist mir wichtig?”, "Was bedeutet mir Pfadfinder in meinem Alltag?”, "Wo sind meine Schwächen? Und wo meine Stärken?” Es wird Raum gegeben, um Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung abzugleichen und sich Feedback aus der Gruppe/Roverrunde zu holen. Dabei sollte neben der persönlichen Reflexion auch die eigene Beziehung zu den Pfadfindern betrachtet werden.

Methodisch kann das in einer Diskussion innerhalb der Runde erfolgen, durch persönliches Feedback oder in Selbstarbeit. Aber Achtung: Feedback ist immer persönlich und vertraulich. Als Leiterin oder Leiter ist es die Aufgabe, eine passende Atmosphäre zu schaffen. Besser sollte das Feedback in persönlichen Gesprächen, als in der gesamten Runde durchgeführt werden und die Feedbackregeln beachtet werden. Auch ein Patensystem ist denkbar, bei dem ältere Roverinnen und Rover die Jüngeren unterstützen.

Urteilen: Beim Urteilen soll nun ein Ziel formuliert werden. Dabei soll der Blick in die Zukunft gelenkt werden. Fragen dazu sind beispielsweise: “Was würde ich gerne einmal ausprobieren?”, “Wie würde ich gerne sein?”, “Was nehme ich mir vor?”, "Was will ich bewirken?” oder "Was wünsche ich mir für meine Roverzeit?".

Handeln: Nun geht es darum, aus den allgemeinen Wünschen und Zielen konkrete Vorhaben und Handlungsansätze zu entwickeln. Hilfreiche Fragen für die Roverinnen und Rover sind hier beispielsweise: ”Was will ich umsetzen?”, "Was kannst ich tun, um mein Ziel zu erreichen?”. Anschließend kann der Versprechens-Text dann in Kleingruppen oder alleine erarbeitet werden.

Versprechens-Text

Einen einheitlichen Versprechens-Text gibt es heute nicht mehr. Es ist wichtig, dass der Text an das Alter und die Lebenssituation angepasst ist. Gerade hierdurch kann das Versprechen sehr persönlich gestaltet werden.

Im Roverteil der Ordnung steht zum Roverversprechen folgendes:

Im selbst formulierten Versprechen erklären Roverinnen und Rover die Ziele ihrer pfadfinderischen Tätigkeit gegenüber sich selbst und gegenüber ihrer Runde. Damit bejahen sie ihre Übereinstimmung mit den Zielen der Runde und des Verbandes sowie ihre Zugehörigkeit zur internationalen Gemeinschaft der Pfadfinderbewegung. Die Gestaltung des Versprechens spiegelt Stil und Kultur einer Roverrunde wider. Eine Runde hat so die Möglichkeit, neue Mitglieder entsprechend ihrer Rituale aufzunehmen.“[3]

Der Text sollte positiv formuliert und bejahend gegenüber der Pfadfinderbewegung sein. Er sollte dabei Bezug zur Gruppe und zu sich selbst haben. Konkret muss der Versprechens-Text nicht mit „Bei meiner Ehre verspreche ich…“ beginnen oder andere festen Textbausteine enthalten. Der Text sollte vor allem ehrlich und nicht einfach dahingesagt sein. Je eigenständiger der Text erarbeitet wurde und je weniger feste Textbausteine verwendet werden, desto eher wird dies der Fall sein.

Versprechens-Feier

Das Versprechen wird in einer gemeinsamen Versprechens-Feier in der Gruppe abgelegt – je nach Stil und Kultur der jeweiligen Runde oder des jeweiligen Stammes. Die Vorbereitung der Feier sollte dabei von der Runde selbst erfolgen. Lagerfeuer und Kerzen, oder andere Symbole wie Banner und Lillie können eine entsprechende Atmosphäre schaffen. In manchen Stämmen wird das Halstuch, die Stufenlilie oder ein persönliches Geschenk nach dem Versprechens-Text überreicht. Es empfiehlt sich, den Zettel mit dem Versprechens-Text aufzuheben und möglicherweise beim Abschied oder beim Leiterversprechen noch einmal darauf zu schauen.

Pfadfindergesetz

Was hat das Pfadfindergesetz mit dem Pfadfinderversprechen zu tun?

Baden-Powell hat der Pfadfinderbewegung noch einen einheitlichen Versprechens-Text mit auf den Weg gegeben. Auch die DPSG hatte einen einheitlichen Text, der 1971 abgeschafft wurde. In diesen Texten wurde die Einhaltung des Pfadfindergesetztes beschworen.

Weitere Literatur zu dem Thema:

Stefan Schumacher, Praxistipp Leiten: Das Versprechen, https://blog.dpsg.de/2015/02/praxistipp-leiten-das-versprechen/ [14.03.2020]

Bundesleitung der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), das Versprechen, Ratgeber für Leitungsteams, Georgsverlag Neuss 2013, abrufbar unter: https://dpsg.de/fileadmin/daten/dokumente/infopool/publikationen/eBook_Das_Versprechen.pdf [14.03.2020]

Informationen der Österreichischen Pfadfinder PPÖ: https://ausbildung.ppoe.at/mod/wiki/view.php?pageid=30 Autoren: Johannes Muselmann, Christina Koch Quellen:

[1] https://www.scoutingneverstops.de/die-bundesleitung-liest-scouting-for-boys/

[2] Robert Baden-Powell: „Scouting for Boys“ Pfadfinder. Georgs-Verlag, Düsseldorf, 2008

[3] Ordnung der DPSG, Hrsg.: Bundesleitung der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg, Neuss, 2020, 6. überarbeitet Auflage, S. 60, Link zum Onlinedokument: https://dpsg.de/fileadmin/daten/dokumente/aktionen/verbandsentwicklung/Ordnung_DPSG__Nach_Beschluss_bv85_2019__.pdf